Chronische Wunden: Wenn Heilung Zeit braucht | fabel

Chronische Wunden Wenn Heilung Zeit braucht

Manche Wunden heilen nicht wie erwartet. Sie bleiben über Wochen bestehen, verändern sich kaum oder öffnen sich immer wieder. Das kann verunsichern – besonders dann, wenn du dich fragst, ob du etwas übersehen hast.

Chronische Wunden sind für viele pflegende Angehörige eine große Belastung. Sie fordern Geduld, Aufmerksamkeit – und oft auch professionelle Begleitung. Dieser Überblick hilft dir, besser einzuordnen, womit du es zu tun hast.

Was ist eine chronische Wunde?

Von einer chronischen Wunde spricht man, wenn eine Wunde über einen längeren Zeitraum nicht abheilt oder immer wieder aufbricht. Als grobe Orientierung gilt: Wenn nach mehreren Wochen keine deutliche Heilung erkennbar ist, sollte genauer hingeschaut werden.

Chronische Wunden entstehen häufig nicht durch einen einzelnen Unfall, sondern durch eine zugrunde liegende Erkrankung oder anhaltende Belastung. Häufige Ursachen sind:

  • Druck durch langes Liegen oder Sitzen (Dekubitus)
  • Durchblutungsstörungen (z. B. bei einem „offenen Bein“)
  • Diabetes
  • Stark eingeschränkte Mobilität

Die Wunde selbst ist oft nur ein sichtbares Zeichen dafür, dass im Körper etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Woran erkennt man eine chronische Wunde?

Typische Merkmale chronischer Wunden können sein:

  • Die Wunde besteht seit mehreren Wochen
  • Sie wird nicht kleiner oder verändert sich kaum
  • Sie nässt dauerhaft oder bildet Beläge
  • Die Umgebungshaut ist gerötet, verhärtet oder aufgeweicht
  • Es treten wiederkehrende Entzündungen auf

Manchmal wirken chronische Wunden gar nicht dramatisch – gerade am Anfang. Umso wichtiger ist es, aufmerksam zu bleiben, wenn eine Verletzung „stehen bleibt“.

Typische Fehler

Viele Reaktionen sind gut gemeint – helfen aber nicht immer.

Häufige Fehler sind:

  • Zu langes Abwarten in der Hoffnung, dass es schon heilt
  • Häufiges Wechseln von Produkten ohne fachliche Rücksprache
  • Zu seltene oder unregelmäßige Verbandwechsel
  • Fehlende Druckentlastung bei bettlägerigen Personen
  • Keine ärztliche Abklärung der Ursache

Chronische Wunden brauchen meist mehr als nur „eine gute Salbe“. Entscheidend ist, die Ursache zu erkennen und mitzubehandeln.

Was du als Angehöriger tun kannst

Du musst die Wunde nicht alleine „heilen“. Aber du kannst viel dazu beitragen, dass sie gut versorgt wird:

  • Veränderungen regelmäßig beobachten
  • Größe, Aussehen und Besonderheiten notieren
  • Auf Druckentlastung achten (z. B. Positionswechsel)
  • Auf ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeit achten
  • Frühzeitig ärztlichen Rat einholen

Wichtig ist vor allem: dranbleiben. Chronische Wunden brauchen Zeit – und eine konsequente Versorgung.

Wann solltest du einen Arzt aufsuchen?

Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn:

  • Die Wunde nach mehreren Wochen keine Heilungstendenz zeigt
  • Schmerzen zunehmen
  • Rötung, Schwellung oder Geruch auftreten
  • Fieber dazukommt
  • Unsicherheit besteht, wie weiter vorzugehen ist

Gerade bei chronischen Wunden gilt: Je früher professionelle Unterstützung einbezogen wird, desto besser sind oft die Heilungschancen.

Einordnung vom Wundexperten

Aus der Praxis weiß Wundexperte Lars Kaland: Chronische Wunden entstehen selten „einfach so“. Fast immer steckt eine Ursache dahinter, die gezielt behandelt werden muss – etwa Druck, eine Gefäßerkrankung oder ein schlecht eingestellter Diabetes.

☝🏻

Sein Hinweis: Wenn sich eine Wunde nach einigen Wochen nicht sichtbar verbessert, sollte die Versorgung überprüft und die Ursache ärztlich geklärt werden. Nur an der Oberfläche zu behandeln, reicht in vielen Fällen nicht aus.

Fazit

Chronische Wunden können entmutigend sein. Aber sie sind kein Zeichen von Versagen. Mit der richtigen Einschätzung, Geduld und fachlicher Begleitung lässt sich oft mehr erreichen, als es am Anfang scheint.

Im nächsten Artikel schauen wir uns eine der häufigsten chronischen Wunden im Pflegealltag genauer an: den Dekubitus.

Über den Autor:

Lars Kaland ist examinierte Pflegefachkraft mit Schwerpunkt moderne Wundversorgung. Seine beruflichen Wurzeln liegen in der Praxis – mit langjähriger Erfahrung in der Begleitung von Menschen mit chronischen und komplexen Wunden.

Für fabel begleitet er den Themenbereich „Wunde“ als fachlicher Experte und bringt sein Wissen in die Inhalte ein. Sein Anspruch: qualitätsgesicherte Versorgung, Verlässlichkeit und individuelle Begleitung auf Augenhöhe.

Mehr über seine Arbeit erfährst du beim Wundinstitut.

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